Dieses Interview war bis 30.09.2026 09:00 Uhr freigeschaltet.
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Guten Tag,
Beim hören dieses Interviews bin ich über ein paar Punkte gestolpert, die mich doch arg verwundert haben und die ich hier rückmelden möchte.
Zu Beginn die Frage, wie tief ist das Patriarchat in uns verankert, ohne das wir uns dessen bewusst sind, wie sehr wir das weitertragen und weiter zementieren?
Der erste Punkt war einer der ersten Sätze über die aktuell beschafften Geschenke für Erzieherinnen und Lehrer. Birgit macht das wohl, weil sie das so schön wertschätzend findet. Der Gedanke ist gut und schön.
Nur, in vielen Einrichtungen (zumindest bei uns) ist es so üblich, dass der Elternbeirat genau dafür Geld sammelt und sich darum kümmert. Nichts desto trotz gibt es einzelne Mütter, die zusätzlich ein Geschenk für jeden besorgen.
Mein Anliegen: Bitte denkt darüber nach, wie da der Maßstab hochgesetzt wird. Braucht es das wirklich? Und was sind die eigenen emotionalen womöglich aus Mangelbewusszsein geborenen Beweggründe da die Messlatte immer weiter oben anzusetzen?
Und vor allem, was macht es mit unserem Nervensystem, wenn wir jetzt nicht nur Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke für Familie und enge Freunde besorgen, sondern auch noch für alle anderen Menschen, mit denen man irgendwie zu tun hat? Ganz ehrlich? Das ist am Ende doch Stress pur. Von den kindergeburtstagen gehen die geladenen Kinder manchmal mit give aways nach Hause, die so viel kosten, wie das Geschenk, das sie mitbrachten.
Gleichzeitig steigen überall die Preise.
Es ist nicht patriarchatskritisch dieses Spiel so mit voran zu treiben und die Leute sozial anzuhängen, die das nicht mitspielen wollen.
Der nächste Aspekt war dieser Satz über die Familien, die in die Beratung kommen. Dass die ja überwiegend chaotisch sind.
Dazu muss man mal sagen, es gibt viele Menschen, die in das patriarchalische Gesellschaftssystem auf Grund von neurodivergenz so gar nicht rein passen wollen. Klar kann man versuchen alles besser zu strukturieren und effizienter zu gestalten.
ABER, das löst doch nicht die Problematik eines angespannten Nervensystemes in dieser Gesellschaft?! Ich hab das auch schon gemacht, nach essensplan kochen. Einkaufen auf dem Heimweg. So viel kochen, dass es für den nächsten Tag reicht.
Mein persönlich größtes Problem, was mich regelmäßig so richtig anstrengt ist eben diese hochstrukturierte durchtaktung. Da ist kaum Zeit, sich mal richtig in Ruhe hinzusetzen und einfach nur zu sein. Und trotzdem bleibt so viel liegen, was nicht wichtig und nicht dringlich ist.
Und ich empfinde es als widersprüchlich, die Nummer mit den Geschenken für Erzieher*innen und die Aussage, nur das wichtigste und dringlichste zu machen.
Geschenke sind definitiv etwas das on top kommt aber weder wichtig noch dringlich ist um den Alltag zu bestreiten. Eigentlich nur ein nice to have. Aber und deshalb schreibe ich den Kommentar, man überlege sich, wie man da die Maßstäbe setzt und mit welchem Vorbild man da voran geht.
Und dieser Tipp, nur das wichtigste und dringlichste zu machen ist leider auch ein Apfel der von innen heraus fault, denn das was ich nicht erledige, schiebe ich als Welle vor mir her.
Wenn ich die Vorräte in den Schränken vernachlässige, dann hab ich halt irgendwann ein Mottenproblem. Klar, im Moment hab ich mir den Aufwand gespart, dafür kommt er später um so dicker.
Diese Gesellschaft verhält sich so, dass sie die diversen aufploppenden Brandherde mit einem Esslöffel voll Wasser im Kreis herum etwas eindämmt.
Die Grundsatzfrage ist doch, wie wollen wir leben und welche Lebensweise ist für unser Nervensystem artgerechter?
Und bitte, es gibt sehr viele Menschen da draußen, die ganz andere Schädigungen durch das Patriarchat erlitten haben und für deren Nervensystem ein Essensplan und etwas mehr Struktur für die Woche nicht reicht um aus dem überlebensmodus heraus zu kommen.
Insgesamt hat der Vortrag folgenden Eindruck auf mich gemacht. Ich drücke das mal etwas überspitzt aus:
Kommst du nicht klar mit den lebensfeindlichen Anforderungen des Patriarchats? Das liegt daran, dass du zu chaotisch bist und dich noch etwas mehr selber optimieren musst.
Und die andere Botschaft:
Du musst dich besser strukturieren, das unwichtigste weglassen (mit people pleasing hingegen darf man sich Stressen) um dich dann hinsetzen zu können und einfach sein zu können.
Und die dritte:
Deligiere auch mal was an deinen Mann, komm damit klar, dass es vllt nicht so ist, wie du das haben willst, aber dann hast du ja wieder Kapazitäten frei um den Personenkreis der zu beschenken zu erweitern.
Ja das mit den Geschenken war kein Tipp an andere, aber es spielt eine Rolle, was das an neuen Maßstäben gesetzt wird.
Was ich sagen will, wann steigen wir endlich wirklich aus, aus dem „immer mehr Hamsterrad“? Und wann werden uns die richtig tiefsitzenden patriarchalen Muster in unserem eigenen Verhalten bewusst?